Abziehen ist Raub

„Abziehen“ und „Abzocken“ sind Begriffe aus dem Vokabular Jugendlicher. Sie klingen vergleichsweise harmlos. Das zugrundeliegende Tatgeschehen ist häufig identisch. Mehrere Jugendliche stellen ein Opfer und ziehen dieses ab, d.h. unter Androhung von Schlägen oder anderer Repressalien werden Handy, Jacken oder andere Wert- und Trendsachen ergaunert.

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Dieses jugendtypische Verhalten wird von den Tätern zumindest in strafrechtlicher Hinsicht massiv unterschätzt, denn es erfüllt regelmäßig den Tatbestand des Raubes gemäß § 249 StGB oder der räuberischen Erpressung gemäß § 255 StGB. Raub bedeutet – mit einfachen Worten – die Wegnahme fremder Sachen unter Einsatz oder Androhung von Gewalt, um sich diese zuzueignen.

Das hat nach dem Gesetz bei Erwachsenen in der Regel Mindestfreiheitsstrafe von 1 Jahr zur Folge, im Jugendstrafrecht kann die Jugendstrafe zwischen 6 Monaten und 5 Jahren (§ 18 JGG) liegen.

Gewalt bedeutet der Einsatz körperlicher Kraft zur Überwindung eines tatsächlichen oder erwarteten Widerstandes. Das Androhen der Gewalt kann auf vielfältige Art und Weise erfolgen. Es muss dabei nicht unbedingt von Gewalt oder über Gewalt gesprochen werden. Es gibt zahlreiche Urteile, die das Umzingeln eines Opfers und die dadurch entstandene Bedrohung durch die bloße körperliche Nähe der Angreifer ausreichend erscheinen lassen.  In der Regel sind auch die  „Umzingler“ Mittäter eines Raubdeliktes und nicht nur derjenige, der das Handy o. Ä. einsteckt. Es gilt daher „mitgehangen – mitgefangen“.

Wer also als Jugendlicher mit einem Ermittlungsverfahren aus Anlass einer Abziehtat konfrontiert und zur Beschuldigtenvernehmung vorgeladen wird, ist gut beraten, diese Vernehmung gründlich vorzubereiten und sich anwaltlichen Beistandes zu bedienen. Denn die Konsequenzen im Falle einer Verurteilung können ernsthaft sein.

Der Gesetzeswortlaut lautet wie folgt:

§ 249 Raub

(1) Wer mit Gewalt gegen eine Person oder unter Anwendung von Drohungen mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, die Sache sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.

(2) In minder schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

(zur website:) Christoph Klein, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht

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