Untersuchungshaft trotz geringer Lebenserwartung

Erbarmungslose Justiz: Ein 62 jähriger Mann, der 3,7 KG Marihuana aus den Niederlanden in die Bundesrepublik einführte, muss trotz schwerer Krankheit in Untersuchungshaft. Es bestünde nach Ansicht des Landgerichts gerade wegen der schweren Krankheit erhöhte Fluchtgefahr.Dem Beschuldigten wird ärztlich bescheinigt, dass er aufgrund von Leber- und Lungenkrebs nur noch eine Lebenserwartung von sechs Monaten habe. Der Verteidiger des Beschuldigten hatte daher die Untersuchungshaft als unverhältnismäßig gerügt.
Genau das Gegenteil sei der Fall, so die Richter. Wer in Kenntnis der unheilbaren Krankheit und des nahen Todes sich zu diesen Straftaten hinreißen lässt, der wird sich gerade mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auch dem Verfahren nicht stellen. Allerdings stellt das Gericht in Aussicht, dass Flucht- und Wiederholungsgefahr neu zu beurteilen sein werden, falls durch Aufklärungshilfe der Beschuldigte den Kontakt seinen Hintermännern offen legen und damit kappen würde. Das nennt man wohl die Wahl zwischen Pest und Cholera. (LG Kleve, Beschl. v. 04.12.2014 – 120 Qs 112/14)

Rechtsanwalt Christoph Klein, Fachanwalt für Strafrecht

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.